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Liebe Gemeinde!
Frühling und Ostern sind in unseren Breitengraden einander zugeordnete Ereignisse. "Zeichen schauen wir nun, Irdisches wird zum Bilde hier; denn das kreisende Jahr lässt nach des Winters Frost und Nacht den Frühling die Erde für Ostern bereiten.“ Das ist kein romantisches Frühlingslied, sondern ein christlicher Hymnus zur österlichen Bußzeit.
In seiner Enzyklika über die Hoffnung (SPE SALVI) stellt Papst Benedikt XVI. die christliche Hoffnung der heidnischen Hoffnungslosigkeit gegenüber. Auf römischen Sarkophagen, so schreibt er, findet sich gelegentlich die Inschrift: "In nihil ab nihilo quam cito recidimus"; das bedeutet: "Wie schnell fallen wir vom Nichts ins Nichts zurück". Zur gleichen Zeit, als diese nihilistischen Worte entstanden, schmückten die Christen ihre Gräber mit Symbolen der Hoffnung. Darunter findet sich immer wieder das Bild des Guten Hirten, der ein Lamm auf seinen Schultern trägt. Die Heiden mochten in dieser Darstellung den Götterboten Hermes sehen, der mit einem Widder auf den Schultern gezeigt wurde. Die Christen dagegen erkannten in diesem Bild ein Symbol der Erlöserliebe Gottes. Das Bild des Guten Hirten war für sie keine ländliche Idylle, sondern eine Chiffre für den Gekreuzigten und Auferstandenen. Denn Christus ist nicht nur der Hirte, der seine Schafe zur Weide führt, sie umsorgt und hegt, sondern für sie sein Leben hingibt. In einem Osterjubel singt die Kirche: Auferstanden ist der gute Hirte, der sein Leben einsetzte für seine Schafe, und für seine Herde sterben wollte. Halleluja, halleluja, halleluja.
Obiges Bild aus der Beuroner Schule erweckt den Eindruck, als sei durch die Auferstehung Christi das Paradies wiederhergestellt. Auf grünen Auen weiden die Schafe, erquickt vom Wasser des Lebens. Die Bäume tragen Blätter, Blüten und Früchte, ein bunter Vogel singt sein Lied. Der wolkenlose Himmel verkündet ungetrübte Freude. Das Kreuz, einst Marterwerkzeug, wirkt wie ein herrschaftliches Siegeszeichen. Tatsächlich steht am unteren Rand des Bildes ein alttestamentliches Prophetenwort, das zu Deutsch lautet: "Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende." (Jes.9,6).
Dass diese Herrschaft schon auf dieser krisengeschüttelten Erde begonnen hat, zeigt ein kleiner Gestus des Hirten: ER reicht einem der Schafe das weiße Brot der Eucharistie. Die Eucharistie als vorweggenommene Himmelsspeise – diesen Gedanken fand ich kürzlich in einem Zitat von Pater Pio auf einem Andenkenbild zu einem Goldenen Priesterjubiläum: "Wenn die Menschen den Wert der heiligen Messe erkennen würden, müssten die Carabinieri täglich an den Kirchentüren stehen, um die Menschenmassen in Schranken zu halten."
Die kleine weiße Hostie fasst das ganze Geheimnis von Tod und Auferstehung in sich zusammen. Wenn unsere Kommunionkinder das schon zaghaft erahnen, um wie viel mehr müssten wir Erwachsene darüber vor Freude bersten. Diese Freude wäre echte österliche Freude, - und diese wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!
Ihr Pfarrer
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