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Gemeindebrief 01/10 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Mittwoch, 3. Februar 2010

 

 

Liebe Gemeinde!

"Eins, zwei, drei im Sauseschritt, eilt die Zeit, wir eilen mit…" Wilhelm Busch drückt das auf seine dichterische Art aus, was mich im Moment bewegt, wenn ich auf den Kalender schaue und feststelle, dass die Weihnachtszeit schon wie ein fernes Ufer hinter uns liegt und am Horizont der Aschermittwoch auftaucht. Der letzte Pfarrbrief war noch ganz auf das Fest der Geburt Christi abgestimmt, jetzt sind schon wieder ernstere Töne angesagt.

Damit das Faschingstreiben die Menschen nicht total aus dem Häuschen geraten lässt, hat Gott im bunten Konzert des Weltgeschehens eine gewaltige Disharmonie ertönen lassen. Das Erdbeben in Haiti hat am 12. Januar nicht nur für einen Moment die Inselgruppe der großen Antillen erschüttert, sondern die ganze Menschheit aufgerüttelt.
Während unser Land in sinnlosen Debatten den nicht mehr finanzierbaren Wohlstand beschwört, bricht in einem der ärmsten Staaten der Welt die ganze Infrastruktur zusammen. Im wahrsten Sinne des Wortes sind die Menschen von Haiti "an den Bettel" gekommen. Diese Leute haben ihren Aschermittwoch gehabt. Staub, Asche und Trümmer, dazu die mehr als hunderttausend Toten, verkrüppelte und elternlose Kinder, zerrissene Familien… - eine Tragik ohne Ende. Hier dürfen wir nicht tatenlos zusehen – unser Mitleid muss eine Welle der Großherzigkeit in Bewegung setzen -, zugleich müssen wir nachdenklich werden.

Am Horizont der Weltgeschichte blitzen die Wetterleuchten größter Menschheitskatastrophen auf. Das Armutsgefälle in der Welt ist nicht das einzige Problem. Viel erregender sind neben den Umwelt- und Klimaproblemen die religiösen Gegensätze in dieser Welt, die sich durch den wachsenden Fanatismus immer mehr zuspitzen. Es ist höchste Zeit, dass die Christenheit in den westlichen Ländern den Tanz um das Goldene Kalb beendet und sich wieder auf Gott besinnt. Sonst könnte es passieren, dass uns "eins, zwei, drei im Sauseschritt" eine Entwicklung einholt, die unser gesellschaftliches Leben völlig aus dem Gleis wirft.
Die Fastenzeit sollte für uns alle eine Zeit ernster Rückbesinnung werden. Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer

 

 

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