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Gemeindebrief 02/10 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Donnerstag, 25. Februar 2010

 

 

Liebe Gemeinde!

Als Pfarrer ist man leicht geneigt, bei der Predigt aus dem Vollen zu schöpfen und bei den Zuhörern ein Glaubenswissen vorauszusetzen, das heute nicht mehr selbstverständlich vorhanden ist. "Milch habt ihr nötig, nicht feste Speise!" heißt es an einer Stelle der Bibel (Hebr.5,12).
Wie oft habe ich schon die frohe Nachricht verkündet: "Christus hat euch erlöst!", - aber bei den Gottesdienstbesuchern hat sich keine Miene verzogen. – Haben die Zuhörer nicht verstanden? An unseren Mikrofonen kann es nicht liegen, wohl auch nicht an Ihrem mangelnden Hörvermögen.

Kürzlich fragte mich eine Bekannte: "Nach wie vor begreife ich nicht, warum wir durch Christus schuldfrei geworden sein sollen. Warum soll der Tod eines Wahrhaftigen, der konsequent für seine Sache gestorben ist, unsere Erlösung bewirken?" Ich gab ihr zur Antwort: "Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind mit einem Mann verheiratet, der Sie sehr, sehr liebt. Wenn Sie nun leichtsinnigerweise große Schulden machen würden, dann würde er für Sie ohne Zögern die Schulden begleichen, auch wenn es ihn viel Mühe kosten würde. Wenn Sie in Lebensgefahr kämen, würde er sein Leben für Sie wagen, vielleicht sogar sein Leben für Sie hingeben, damit Sie leben..." Genau das hat Christus für uns getan.

Vielleicht werden Sie zustimmend nicken – und zugleich hilflos mit den Schultern zucken: "Aber geht mich das eigentlich etwas an? Ich verspüre davon nichts!" Ja, hier braucht es eine doppelte Erkenntnis, die man sich nicht aus Büchern aneignen kann. Erstens: "Ich bin an Gott schuldig geworden, ich bin ein Sünder." Zweitens: "Ich habe einen Gott, der mich liebt – bis zur Hingabe seiner selbst."

Vielleicht erinnern Sie sich, dass an den Wegkreuzen früher nicht selten die Inschrift zu finden war: "O Mensch, schau her, das ist dein Werk!" Der bekannten Mystikerin Teresa von Avila fuhr diese Erkenntnis nach 20 lauen Klosterjahren plötzlich so in die Seele, dass sie von Stund an ein neues Leben führte. Eine solche Erfahrung nennt man Gnade. Ich möchte Ihnen und mir diese Gnade in den kommenden Tagen von Herzen wünschen!

Ihr Pfarrer

 

 

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