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Liebe Gemeinde!
Erntedank gibt es in einem noch umfassenderen Sinn. Gemeint ist das "Erntefest" der Kirche. Jesus spricht immer wieder von der Bedeutung des Fruchtbringens. Ein Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen (Mt.7,19), der Weinstock wird beschnitten, damit er noch mehr Früchte bringen kann (Joh.15,2). Jesus spricht von falschen Propheten, die wie harmlose Schafe daherkommen, aber in Wirklichkeit reißende Wölfe sind: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." (Mt.7,16). Im Himmel wird offenbar, was die gute Frucht und der gute "Extrakt" der Menschheit ist. Da werden viele groß sein, denen wir hier nichts zugetraut haben; und viele fromme Wichtigtuer – gehören wir auch dazu? – werden ganz kleine Lichter sein. Um es kurz zu sagen: das Fest Allerheiligen ist das große Erntefest der Kirche. Hier kommen die in den Blick, die nie zu den Ehren der Altäre gelangt sind, weil sie keine kirchliche Lobby hatten. Darunter viele aufopferungsvolle Mütter und Väter, viele Stille im Lande, die nie von sich reden machten. Sicherlich die Millionen von Kindern, die nie sprechen lernten, weil man sie im Mutterleib getötet hat; oder gar mancher Politiker, der sich nicht an die perfiden Regeln der politischer Korrektheit hielt, dem Publikum die Wahrheit sagte und abgewählt wurde. Die Gemeinschaft der Heiligen ist das interessanteste und am wenigstens langweilige Publikum, das es gibt. Der Anführer dieser Truppe ist ein vielfacher Mörder, den Jesus am Kreuz persönlich heiliggesprochen hat: "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein." (Lk.23,43). – Was ist dagegen das aufgewärmte Heidentum, das sich an "All-Hallows-Eve" auf den Straßen tummelt und seine gruseligen Partys feiert? Die Gemeinschaft der Heiligen ist viel spanndender und einladender! Am schönsten, wenn wir selbst dazu gehören.
Ihr Pfarrer
Winfried Abel
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