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Gemeindebrief 03/10 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Sonntag, 28. März 2010

Liebe Gemeinde!

Aus Schatten und Bildern zur Wahrheit" – dieses Wort wählte sich der gescheiteste Theologe, den England je hervorgebracht hat, John Henry Newman, als Grabinschrift.
In seinem Buch "Der König von Narnia", das von christlichen Symbolen nur so wimmelt, schildert C.S. Lewis, wie Kinder in einem alten Schloss durch eine Schranktüre in eine phantastische Jenseitswelt gelangen. Ähnlich erzählt das Märchen von Frau Holle, wie die Goldmarie in einen Brunnen fällt und in sich in einer wunderbaren bunten Landschaft wiederfindet…

Das alles sind Bilder und Worte, die um das eine Thema kreisen: Auferstehung! Auferstehung heißt nicht, dass Menschen wieder ins Diesseits zurückkehren, wie so oft gefordert wird ("es ist ja noch keiner zurückgekommen"), sondern uns ins Jenseits vorausgehen, wo das "Leben in Fülle" gefunden wird.



Das hier beigefügte Bild ist also insofern missverständlich, weil es Jesus, den Auferstandenen, wieder im Diesseits zeigt. Der Grabdeckel ist beiseite geschoben, Jesus steht mit der Siegesfahne und segnender Hand vor dem Grab. Auffällig ist allerdings, dass er an Händen und Füßen die Wundmale trägt und mit seiner Gestalt die drei Soldaten um das Doppelte überragt. Darin deutet sich die Andersartigkeit an, die die Apostel zunächst irritierte. Sie meinten ja, Jesus sei jetzt wieder so unter ihnen wie zuvor. In Wirklichkeit kam er aus dem Jenseits zu ihnen, um ihnen die Augen zu öffnen für den Weg, der nur durch den Tod hindurch gefunden werden kann: den Weg zum Vaterhaus. Auch das Weizenkorn, das stirbt, gelangt aus Finsternis zum Licht und bringt vielfältige Frucht.
Der größte menschliche Geist bleibt auf Erden von Finsternis umgeben, bis er zur vollen Wahrheit im Lichte Gottes gelangt. Der Glaubende weiß mehr! Der Soldat zur Rechten, der seine Hellebarde zur Hand nimmt, kommt mir vor wie ein Intellektueller, der mit den Waffen des Verstandes die Weisheit Gottes besiegen möchte. Doch diese ist nicht verwundbar.

Ist es nicht tröstlich zu wissen, dass unser Leben und Sterben ein Pilgerweg und Hindurchgang zum wahren Leben ist? …dass der einfache Gläubige hier auf Erden schon mehr "weiß" als der gescheiteste Professor?
Schon jetzt dürfen wir Christen "die großen Taten dessen verkünden, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat." (vgl. 1Petr.2,9).

Wahrhaftig! Das Leben hat den Tod besiegt! Christus führt uns auch aus den Schatten einer menschlichen Kirche, die noch sündenbehaftet ist und in diesen Tagen so viele Schmähungen erfährt, in sein lichterfülltes Haus. – In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine große Osterfreude!

Ihr Pfarrer

 

 

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