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Geschrieben von Pfr. Winfried Abel
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Donnerstag, 9. November 2006 |
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Liebe Gemeinde!
Am 19. November beginnt das Jubiläumsjahr zum 800. Geburtstag der hl. Elisabeth von Thüringen. Wenn ich bedenke, dass bis zur Reformation ihr Grab in Marburg der meistbesuchte Wallfahrtsort Europas nach Santiago de Compostela war, dann bin ich doch sehr erstaunt, wie schnell der Ruf dieser Frau, die mit 24 Jahren gestorben ist, durch ganz Europa geeilt ist, - und das zu einer Zeit, in der es weder Fernsehen, Radio noch Tageszeitungen gab. Eine Zeitgenossin der hl. Elisabeth, die Mystikerin Mechthild von Magdeburg gibt dazu eine Erklärung:
"Daß Sankt Elisabeth so bald heilig wurde und nur so kurze Zeit unter der Erde lag, darüber belehrte mich der Herr und sprach: Es ist der Boten Recht schnell zu sein. Elisabeth ist und war ein Bote, den ich gesandt habe zu den unseligen Frauen, die in den Burgen saßen und die so sehr von Unkeuschheit durchflossen waren und so gänzlich mit Hochmut überzogen und ständig mit Eitelkeit all so sehr umfangen, daß sie von Rechts wegen in den Abgrund hätten fahren müssen."
Ein merkwürdiger Gedanke! Bisher kannte man Elisabeth fast ausschließlich als die Helferin der Armen und Kranken. Hier tritt sie als Prophetin auf, die dem auf den Burgen verbreiteten Sexualismus und dem unter den Herrschenden grassierenden Hochmut ihr "Gegenprogramm" entgegenhält: die Karriere nach unten. Ihre leibliche Tante, die hl. Hedwig, hatte es einmal so formuliert: "Man muss Gegensätze durch Gegensätze heilen." Engagement für die Armen findet sicherlich in allen Bevölkerungsschichten Anerkennung. Aber der Protest gegen den Sexualismus? Längst sitzen die Frivolen nicht mehr auf den Burgen, sondern in allen Städten und Dörfern. Und wehe, man sagt etwas über den heutigen Lebensstil! Das wäre "unkorrekt". Sollen wir trotz dieser Unkorrektheit das Elisabethjubiläum feiern?
Ihr Pfarrer
Winfried Abel
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