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Gemeindebrief 04/07 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Mittwoch, 21. März 2007

Liebe Gemeinde!

Das Leben schreibt manchmal Geschichten von Menschen, die tot geglaubt und dann doch wieder lebendig waren: von Kindern. die bei einem Erdbeben verschüttet wurden, dann aber unverletzt die Katastrophe überstanden; von Bergleuten, die nach einem Unglück unter Tage kein Lebenszeichen mehr von sich gaben und dann lebend geborgen werden konnten; von Soldaten, die als gefallen galten, dann aber wieder in die Heimat zurückkehrten… Man kann sich vorstellen, wie ein solches Ereignis die Angehörigen berührt, die den Wechsel von tiefster Traurigkeit zu überschäumender Freude erleben! So ähnlich mag es den drei Frauen ergangen sein, die auf dem umseitigen Bild dargestellt sind. Zu Tode betrübt und von Schmerzen gebeugt, kommen sie zum Grab, um den zermarterten Leichnam ihres geliebten Meisters zu salben.

Da finden sie den Stein weggewälzt, das Grab steht offen, ist leer. Nur noch die Leinenbinden sind zu finden. Zunächst ein Erschrecken: hat man den toten Leib gestohlen? Dann ein ungläubiges Staunen: ein weißgekleideter Mann teilt ihnen mit, dass der Verstorbene auferstanden ist und lebt. Schließlich die unbändige Freude: Jesus steht leibhaftig vor ihnen, - ER isst und trinkt sogar mit ihnen… Doch dann wieder das Befremden: Jesus verhält sich nicht wie einer, der dem Tod von der Schippe gesprungen ist, er führt sein altes Leben nicht einfach fort, sondern er hat dem Tod die Schippe aus der Hand genommen, er hat das neue Leben gewonnen, das todüberwindende Leben bei Gott. Der Engel vor dem zerborstenen Grab zeigt mit der linken Hand nach oben: dort ist unsere wahre Heimat, dorthin geht ER uns voraus. Dort sollen wir zu Hause sein! Dann hat es also doch seine Bewandtnis mit dem Samenkorn, das in die Erde gegeben werden muss, um zu sterben! Das ist Naturgesetz und Voraussetzung für neues Erblühen und vielfältige Frucht.
Bei jeder Taufe entzündet der Priester oder Diakon die Taufkerze an der Osterkerze und überreicht sie dem Täufling. Ein wunderschönes Symbol: das Leben Christi – die Osterkerze steht für Auferstehung – geht auf alle Getauften über. Wir haben eine unsterbliche Natur empfangen, ein neues Leben inmitten des sterblichen Lebens, - wir sind irdisch und himmlisch zugleich! An diese Wahrheit werden wir erinnert, wenn sich in der Osternacht das Licht der Osterkerze auf die vielen kleinen Kerzen, die die Gläubigen in ihren Händen halten, verteilt. Dann erneuern wir unser Taufversprechen und rufen einander voll Freude zu: "Christus ist erstanden, - ja ER ist wahrhaft auferstanden!"
Dass auch Sie, liebe Gemeinde, diese neue Lebensqualität neu entdecken und erleben, wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer


Journalismus pur - Journalismus pur - Journalismus pur –

"Papst will Lateinische Messe wieder einführen" – unter dieser Überschrift stand in der vergangenen Woche der Bericht über die Veröffentlichung eines "Apostolischen Schreibens", das Papst Benedikt XVI. am 22. Februar unterschrieben hat.
Hintergrund sind die zahlreichen Spekulationen und öffentlich ausgesprochenen Wünsche von traditionalistischen Katholiken, die vom Papst erwarten, dass er die alte Tridentinische Messe, die bis zur Liturgiereform 1965 weltweite Gültigkeit hatte, wieder allgemein zulassen werde. Die Vertreter der alten Messe bezeichnen sie irreführend als den "klassischen römischen Ritus". – Die Erwartungen dieser Gruppierung sind bitter enttäuscht worden. Papst Benedikt steht voll und ganz zu der vom 2. Vatikanischen Kon¬zil angestoßenen Liturgiereform, mahnt allerdings einige Korrekturen an, die der Würde der Eucharistiefeier und dem Geist des Konzils entsprechen. Unter anderem beklagt er den Verlust der Lateinischen Sprache, die die weltweite Katholizität der Kirche zu allen Zeiten
zum Ausdruck brachte. Viele Priester sind des Lateinischen nicht mehr mächtig; das Kirchenvolk kennt die einfachsten lateinischen Gebete (z.B. Pater Noster) nicht mehr…
Was haben also die Journalisten gemacht? Sie stürzten sich auf das frisch erschienene Dokument und suchten die winzige Passage, die vom Latein in der Messe handelte, schrieben darüber ihre Reportage und vermittelten den Eindruck, der Papst wolle hinter das Konzil zurück, - das sei die einzige Aussage des Dokuments. Kein Zeitungsschreiber hätte sich die Zeit nehmen können oder gar die Qualifikation besessen, den Text innerhalb von 24 Stunden in seiner vollen Länge (es umfasst 10 große, eng bedruckte Zeitungsseiten) zu lesen oder gar in seiner theologischen Tiefe zu erfassen. Hauptsache, der Artikel war auf dem Markt!
Was die Publizistik also verschwiegen hat, ist die Tatsache, dass das gerade erschienene Römische Dokument die Zusammenfassung der Welt-Bischofssynode ist, die im Jahr 2005 die "Feier der Eucharistie" zum Thema hatte. Der Text umfasst insgesamt 26.222 Wörter; davon sind genau 179 Wörter, das sind exakt 0,6 %, dem Thema "Lateinische Sprache" gewidmet. In einer großartigen Zusammenschau bietet der gesamte Text einen Überblick über die Feier der Eucharistie unter den Titeln "Das Geheimnis, das man glaubt", "Das Geheimnis, das man feiert" und das "Geheimnis, das man lebt".

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Hier ein Stück "Originalton" des Dokuments, das die Überschrift SACRAMENTUM CARITATIS (Geheimnis der Liebe) trägt:

45. Gemeinsam mit der Synode bitte ich darum, daß der Wortgottesdienst immer gebührend vorbereitet und gelebt wird. Darum empfehle ich dringend, in den Liturgien mit grosser Aufmerksamkeit darauf zu achten, daß das Wort Gottes von gut vorbereiteten Lektoren vorgetragen wird. Vergessen wir nie: »Wenn in der Kirche die Heiligen Schriften gelesen werden, spricht Gott selbst zu seinem Volk und verkündet Christus, gegenwärtig in seinem Wort, das Evangelium«.
47. Die Synodenväter haben auch auf die Darbringung der Gaben aufmerksam gemacht. Es handelt sich nicht einfach um eine Art »Intermezzo« zwischen dem Wortgottesdienst und der eucharistischen Liturgie. Das würde unter anderem auch nicht dem Sinn des einen, aus zwei Teilen zusammengesetzten Ritus gerecht werden. In dieser demütigen und einfachen Handlung kommt in Wirklichkeit eine sehr tiefe Bedeutung zum Ausdruck: In Brot und Wein, die wir zum Altar bringen, wird die ganze Schöpfung von Christus, dem Erlöser, angenommen, um verwandelt und dem Vater dargeboten zu werden. (144) So gesehen, tragen wir auch alles Leid und allen Schmerz der Welt zum Altar, in der Gewißheit, daß in den Augen Gottes alles kostbar ist. Diese Handlung bedarf nicht der Hervorhebung durch unangebrachte Komplikationen, um in ihrer authentischen Bedeutung erlebt zu werden. Sie erlaubt, die ursprüngliche Beteiligung, die Gott vom Menschen verlangt, um das göttliche Werk in ihm zu vollenden, auszuwerten und auf diese Weise der menschlichen Arbeit ihren letzten Sinn zu geben: durch die Eucharistiefeier mit dem erlösenden Opfer Christi vereint zu werden.



 

 

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