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Gemeindebrief 05/06 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Donnerstag, 30. November 2006

Liebe Gemeinde!

"Christen sind adventliche Menschen" hört man in den kommenden Tagen von allen Kanzeln der Welt. Schön gesagt! Doch was heißt "adventlich"? Sicher nicht: sich auf dem Weihnachtsmarkt den Glühwein literweise in die Kehle gießen, dem vorweihnachtlichen Kaufrausch verfallen, sein Eigenheim wie eine Jahrmarktsbude mit Lichterketten behängen und sich in eine amerikanische Jingle-Bell-Romantik versetzen. Advent ist keine jahreszeitliche Saison, sondern eine Lebenshaltung. Man könnte diese Haltung in vier Worten beschreiben: "Jederzeit mit Gott rechnen." Kennen wir ja irgendwie! Haben nicht die Kleinen unseres Kindergartens die Geschichte vom "Schuster Martin" so anschaulich gespielt, der deutlich die Stimme Gottes vernahm: "Heute werde ich zu dir kommen!" Und dann kam ER – als ein abgedankter Soldat, als eine Marktfrau, als eine frierende Mutter mit Kind… Immer mit Gott rechnen – das war auch die Einstellung der heiligen Elisabeth, die sich in allen Bedürftigen von IHM angeschaut wusste. – Adventliche Haltung ist aber noch mehr als dieses "transparente Sehen": es ist das Wartenkönnen auf die Erfüllung des Lebens, auf das große Glück, das ein noch so üppiges materielles Leben nicht bieten kann. Advent hat es mit Hoffnung zu tun. Hoffnung ist die auf Zukunft ausgerichtete Haltung des Menschen, das Ausschauhalten nach Gott, der uns mehr Zukunft als Gegenwart und Vergangenheit geben kann. Der Hoffnungsbogen spannt sich also von der Erde in den Himmel. Wer diesen weitgespannten Hoffnungsbogen nicht erträgt und schon hier alles haben und genießen möchte, betrügt sich selbst und wird um das Beste betrogen. Meine Großmutter hatte eine einfache Theologie; was sie auf Erden nicht haben konnte, erwartete sie vom Himmel. Genau das ist adventliches Leben!

Ihr Pfarrer
Winfried Abel

 

 

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