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Gemeindebrief 06/06 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Mittwoch, 20. Dezember 2006

Liebe Gemeinde!

Wieder ist es Weihnachten geworden. Wir feiern das immer alte und neue Fest. Erinnerungen werden wach und neue Hoffnungen werden geboren. Ich schaue zurück auf das vergangene Jahr, das geprägt war von einschneidenden Veränderungen in unserem Gemeindeleben. Das mögen Sie daran erkennen, dass Sie diesen Pfarrbrief mit zweierlei Augen lesen werden: mit den Augen der Neuenberger und mit den Augen der Gieseler Gemeinde.

Die Pfarrei Giesel wurde nach dem Ausscheiden ihres Pfarrers nicht mehr neu besetzt. Also beauftragte mich der Bischof, die Pfarrei mit zu übernehmen. Im Zuge des sogenannten "Pastoralen Prozesses" hatten die Gieseler den Wunsch, mit den Neuenbergern unter ein gemeinsames seelsorgliches Dach zu schlüpfen.

Am 2. Juli beantragten die vier links der Fulda gelegenen Gemeinden in Maberzell die Errichtung des Pfarrverbundes Haimbach-Maberzell und Neuenberg-Giesel. Der Bischof hat diesen Antrag angenommen und am 27. November per Dekret den Pfarrverbund "Fulda-West" errichtet, zugleich ernannte er Herrn Pfarrer Markus Schneider zum Moderator. Wir stehen damit am Anfang eines neuen Weges, der nur in gutem Einvernehmen beschritten werden kann. Es ist also kein Pfarreien-Mischmasch geplant; es wird keine Pfarrei aufgelöst, sondern wir streben dort ein Zusammengehen an, wo es um der gemeinsamen Sache willen geboten ist.

Den Neuenbergern möchte ich gerne weiterhin als Pfarrer erhalten bleiben, mit den Gieselern werde ich hoffentlich bald gut vertraut sein. An dieser Stelle möchte ich der Gemeinde Giesel sehr herzlich danken, dass sie mich mit offenen Armen aufgenommen hat. Ich darf Ihnen versichern, dass ich mich in Ihrer Gemeinde zu Hause fühle. Das haben Sie mir auch dadurch erleichtert, dass Sie mir in so vielen Aufgaben mit großem ehrenamtlichem Eifer zur Hand gehen.

Es geht in unseren Gemeinden ja nicht um Betriebsamkeit, Organisation und Serviceleistung, sondern um die frohmachende Erfahrung, dass Gott unser Immanuel (Gott-mit-uns) ist, wie es uns die Weihnachtsbotschaft vermittelt. Und diese Erfahrung müssen wir weitergeben in neuen missionarischen Impulsen.

Das obige Bild gibt mir dazu eine Hilfe zum Verständnis. Es schildert die Geburt Christi in einem schloßähnlichen Kellergewölbe. Mir fällt vor allem die Gestalt des Josef auf, den der Maler Jean Francois de Troy (+1752) an der Krippe sitzend darstellt. Neben ihm Maria, die gerade den staunenden Hirten das neu geborene Kind zeigt. Josefs Blicke richten sich nicht auf das Christuskind, sondern auf die Augen der Hirten; in denen er das Wunder widergespiegelt findet, das er bis zur Ankunft der Hirten noch nicht begriffen hat. In diesem Augenblick beginnt er zu verstehen….

Bis heute gilt diese Regel: Gott kann nicht wahrgenommen werden, wie ER wirklich ist. Wer hat je einen Geist gesehen? Darum will ER sich widerspiegeln in den staunenden und strahlenden Augen faszinierter Menschen. Die vielen Suchenden und Fragenden, denen wir täglich begegnen, wollen IHN in unseren Augen erkennen können! Es sind freilich immer die Augen der Armen und Geringen, die sehen, was gescheiten und klugen Leuten verborgen ist. Jesus sagt zu seinen einfältigen Jüngern: "Selig die Augen, die sehen, was ihr seht." (Lk.10,23).

Die Erkenntnis Gottes geschieht also in der Regel auf indirekte Weise – in den Wunderwerken der Schöpfung, in den Ereignissen des Tages, im Blick eines liebenden Menschen. Hat nicht auch Petrus einst, als Jesus ihn bei ungünstigster Gelegenheit aufforderte, seine Netze auszuwerfen, in den Augen Jesu die Möglichkeit des Unmöglichen gesehen?

Und das ist mein Wunsch für Sie alle, die diesen Brief lesen: Mögen Sie Christus neu erkennen und IHN in Ihre Umwelt hinein "reflektieren" – durch Ihre weihnachtliche Freude, die ja nicht bloß Emotionalität ist, die auch an keine Saison gebunden ist, sondern das ganze Leben verklärt!

"Staunen ist der Anfang der Philosophie", so haben wir von Sokrates und Platon gelernt. Von Christus können wir noch viel Erstaunlicheres lernen!

Ihnen ein frohes Fest!

Ihr Pfarrer
Winfried Abel

 

 

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