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Liebe Gemeinde!
Wie Sie vielleicht wissen, hatten wir in Giesel und Neuen¬berg bischöflichen Besuch aus Indien. Bischof Anthonisamy Neethinathan, den Frau Brigitta Schnell vor einem dreiviertel Jahr in seinem Bistum Chingleput besuchen konnte, hat uns eine eindringliche Predigt gehalten und nicht nur mich dabei sehr nachdenklich gemacht.
Seit sieben Jahren ist er um den Aufbau seines neu errichteten Bistums bemüht, das 81 Pfarreien, ca. hundert Priester und mehr als 600 Ordensleute zählt. In den beiden Seminarien bereiten sich zurzeit 120 Jugendliche auf das Priestertum vor. Einziges Problem: der Bischof hat nicht genügend Geld, um die Priesterkandidaten und seine Diözesanpriester zu bezahlen.
Das Bistum Chingleput liegt in der Küstenregion und wurde durch den Tsunami stark verwüstet. Die Folge davon: zwei Waisenhäuser mussten errichtet werden, um die vielen Kinder aufzunehmen, die ihre Eltern verloren haben. –
Die Situation in Indien ist also genau umgekehrt zu der Situation in unserem Land: wir haben genügend Geld, aber wenig geistliche Kompetenz und daher auch nur wenige geistliche Berufungen. Der Grund: der Konsumismus frisst uns auf, - oder anders: was wir verzehren, verzehrt unsere geistige Substanz.
Vielleicht liegt unsere Rettung darin, dass wir die indische Kirche materiell unterstützen, damit sie uns spirituell zu Hilfe kommt. Der Überhang an Priestern in diesem riesigen Land könnte uns zum Segen werden, wenn die Priester, deren Ausbildung wir finanziell mittragen, bald in unser Land kommen und uns neu missionieren.
Vielleicht erinnern Sie sich an einen Ausspruch des früheren Bischofs Johannes Dyba. In einer Predigt erklärte er die Heilung des Gelähmten an der Tempelpforte (Apg.3,6). Petrus sagte zu dem Mann "Silber und Gold habe ich nicht, doch im Namen Jesu, steh auf und geh umher!" Dazu Dyba: "Wir Christen in Deutschland müssen es umgekehrt sagen: Silber und Gold haben wir, aber die geistliche Vollmacht ist uns abhanden gekommen. – Traurig, aber wahr: Deutschland ist Missionsland geworden!
Ihr Pfarrer
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