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Gemeindebrief 11/08 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Freitag, 19. Dezember 2008

Liebe Gemeinde!

Wieder hat sich ein Jahreskreis um unser Leben geschlossen. 365 Tage - kostbare Zeit. Was haben wir in ihr bewirkt? Was davon ist geblieben? Was haben wir, wenn alles Geschehen doch nur Vergehen ist, der Welt Bleibendes hinzugefügt? Der Schweizer Philosoph Johann Caspar Lavater (+1801) gibt dazu einen guten Rat: "Sammle dir jeden Tag etwas Ewiges, das keiner dir rauben kann und das Leben dir jeden Tag lieblicher macht."

Nun befördert uns die Zeit ganz von selbst zum vorgerückten Alter hin. Es handelt sich dabei zunächst um einen rein biologischen Vorgang. Älter werden heißt ja auch Voranschreiten. Wer von uns möchte das nicht?
Also blicken wir keineswegs wehmütig in die Vergangenheit zurück, sondern schauen mit großem Optimismus in die Zukunft und sind dabei gewiss: "Christus ist immer noch derselbe, gestern heute und in Ewigkeit", - auch wenn Seine Schafe mehr und mehr zur kleinen Herde zusammenschrumpfen. Bernhard von Clairvaux zitiert einmal einen frühchristlichen Theologen mit den Worten: "Das Menschengeschlecht lebt von wenigen, denn würde es diese nicht geben, würde alle Welt zugrunde gehen…" – Dürfen wir zu diesen Wenigen zählen?


Nochmals: das Problem "Zeit und Ewigkeit" lässt uns nicht los. Bei der Betrachtung des hier beigefügten Bildes wird mir einiges darüber klar. Während Maria und Josef sich betend dem Ewigen zuwenden, klagt das Kind in der Krippe in drastischer Gebärde die Zeitlichkeit ein; es beugt sich über den Rand der Krippe zum Ohr der Mutter hin, als wolle es sagen: "Hallo, ihr beiden, was blickt ihr so fromm zum Himmel, wo ich doch hier auf der Erde bin!"
Ochs und Esel sind diesbezüglich etwas bodenständiger: sie betrachtend entsprechend ihrer animalischen Natur staunend das Kind. Ein merkwürdiges Paradox tut sich hier auf: Gottes Sohn vertauscht die Ewigkeit mit der Vergänglichkeit, und der vergängliche Mensch möchte die Vergänglichkeit mit der Ewigkeit vertauschen. – Was bleibt uns also zu tun? Nun, wir sollen in den zeitlichen Dingen das Ewige suchen und finden. Denn der unsichtbare Gott wollte in der sichtbaren Schöpfung zu uns gelangen, wir sollen durch die sichtbaren Dinge zu IHM finden. Die Gescheiten nennen das die "sakramentale Ordnung". Das bedeutet: wenn wir uns den Menschen und den vergänglichen Dingen liebend und sorgsam (nicht besitzergreifend!) zuwenden, werden wir IHM begegnen und können "täglich etwas Ewiges sammeln". Gerhard Tersteegen sagt es auf seine Weise ganz treffend:
"Gott ist im Fleische. Wer kann das Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu sein, die ihr zum Vater wollt gehen."

Liebe Gemeinde, mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen allen eine reich gesegnete Zeit!, - Zeit, die sich zur Ewigkeit wandelt, indem Sie auch im kommenden Jahr mit Achtsamkeit und Liebe in den unscheinbaren Dingen Großes wirken können und das "Gewöhnliche auf ungewöhnliche Art tun" (Therese von Lisieux)! Gott erhalte Ihnen und mir den Frohsinn des Herzens!


Ihr Pfarrer 

 

 

 

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