StartGemeindeKirchePfarrerMedienExtra?

 

 
Gemeindebrief 15/07 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Donnerstag, 20. Dezember 2007

Liebe Gemeinde!

Auch in diesem Jahr möchte ich Sie zur Weihnachtszeit von ganzem Herzen grüßen. Der Gemeindebrief bietet mir die Gelegenheiten, auch denen meine Verbundenheit zu bezeugen, denen ich im Laufe eines Jahres seltener oder gar nicht begegne. Inzwischen konnte ich ein komplettes Kirchenjahr hindurch die Doppelverantwortung für die beiden Gemeinden "austesten". Die Fahrten Fulda-Giesel und zurück (je 20 km) summierten sich in den 12 Monaten auf ca. 5.700 Kilometer. Sie merken allein an dieser Zahl, dass eine zweite Gemeinde auch eine zusätzliche "Bürde" darstellt. Doch die Bürde ist sanft, die Arbeit macht Freude. Ich leugne keineswegs, dass ich jetzt mehr beansprucht bin als früher. Doch wenn ein Mann mit 78 Jahren Papst werden und damit die ganze Welt als Pfarrei übernehmen kann, dann werde ich mit meinen knapp 69 Jahren doch noch eine kleine Parzelle verwalten können. Viele meiner Altersgenossen genießen immerhin schon ihren wohlverdienten Ruhestand.

Nichts gegen Ruhestand! Doch die Betrachtung des umseitigen Weihnachtsbildes lässt uns den erkennen, der von seiner Geburt an voll im "Beruf" war. Jede Phase des Lebens Christi gehört zu seiner Sendung. Meister Francke stellt den Augenblick dar, in welchem das göttliche Kind wie ein Stern vom Himmel fällt. Die Strahlen, die vom Vater ausgehen, zeigen den Weg des Kindes und machen es selbst zu einer Strahlen aussendenden Lichtquelle: Christus, das Licht der Welt. Dass der hl. Josef überhaupt nicht in Erscheinung tritt, liegt wohl daran, dass Meister Francke den wahren Vater des Kindes darstellen will. Maria kniet anbetend vor dem menschgewordenen Wunder. Das Spruchband legt ihr die Worte des ungläubigen Thomas in den Mund: "Mein Herr und mein Gott". Vielleicht möchte der Maler damit sagen, dass auch Marias Glaube nicht unangefochten war. Ochs und Esel stillen noch schnell ihren Hunger, bevor sie die Krippe für den Neugeborenen freigeben. Bekanntlich vertreten die beiden Tiere das ganze von Christus zu erlösende Menschengeschlecht: der Ochs mit dem Joch steht für die Juden, die unter dem Joch des Gesetzes daherkommen, der Lasten tragende Esel steht für die Heiden, die unter der Knechtschaft und der Last des Götzendienstes stöhnen. Drei Engel halten wie Diakone der alten Liturgie der Gottesmutter den Mantel. Weihnachten – Ursprung der neuen Liturgie? Ein schöner Gedanke! Ein vierter Engel bringt den Hirten die frohe Kunde. Weihnachten als Ursprung der missionarischen Kirche? Auch das trifft zu, denn die Hirten erzählen eifrig weiter, was sie erlebt haben; sie sind die ersten Glaubensboten. Schließlich tut sich im Hintergrund das verlorene Paradies wieder auf: die grünen Matten und Wälder wirken wie eine fruchtbare Oase inmitten der Wüste: "Jetzt schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis…"

Liebe Gemeinde! Das hätte ich Ihnen vielleicht schon vor 40 Jahren schreiben können. Denn, obwohl ich inzwischen älter geworden bin und mein Lebenshorizont sich verändert hat, ist doch das eine geblieben: mein Glaube und meine Freude, ja Gott-sei-Dank auch mein Staunen über den Immanuel, der zu uns gekommen ist, um bei uns zu bleiben. Allein für diese Konstante in meinem Leben bin ich unendlich dankbar. Wie viele Menschen meiner Generation haben ihren Glauben verloren, von der nachwachsenden Generation ganz zu schweigen. Da ist das größte Geschenk: eine Hoffnung zu haben, die niemals enttäuscht.

Das vergangene Jahr hatte so viele Höhepunkte, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Sie waren ja oft selbst Zeugen großer Ereignisse. Am 27. November war der letzte außergewöhnliche Höhepunkt die Zeremonie zur Preisverleihung des EUROPA NOSTRA AWARDS für unsere Neuenberger Krypta, die im Rahmen einer eindrucksvollen Feierstunde in unserer St. Andreaskirche stattfand.
Möge das Neue Jahr 2008 Ihnen noch viel mehr Freude schenken als das vergangene. Der Ursprung aller Freude ist ja auf dem Titelbild so wunderbar dargestellt.

Nun wünsche ich Ihnen eine gesegnete Weihnachtszeit! Bleiben wir auch im Neuen Jahr in IHM verbunden, der das große Weihnachtsgeschenk Gottes uns Menschen ist!

Ihr Pfarrer
 

 

| powered by anrade.net & social-webhosting.de |