|
Liebe Gemeinde!
Nun sind wir mittendrin in der Fastenzeit, die man auch "österliche Bußzeit" nennt. Mit diesen Begriffen "österlich " und "Bußzeit" ist zweierlei gemeint: der Ernst der Vorbereitung auf Ostern und die in Aussicht stehende Freude. Man könnte diese Zeit mit dem Weg durch einen Tunnel vergleichen. Das bedeutet: Wir sind zwar von der Finsternis umgeben, - doch aus der Ferne strahlt uns schon der lichte Ausgang entgegen. Der Himmel leuchtet schon in unser dunkles Leben hinein. Das ist ein gutes Bild für die Hoffnung, die uns in diesen Tagen (vgl. Enzyklika und Glaubensseminar zum Thema "Hoffnung") beschäftigt:
Hoffen gegen alles Hoffen
Erde eng, der Himmel offen,
Freiheit ewig, unbegrenzt.
Wenn sich ringsum Mauern stauen,
kannst du froh nach oben schauen,
wo der weite Himmel glänzt.
Man möchte meinen, der Maler Albrecht Altdorfer (+1538), ein Zeitgenosse von Albrecht Dürer, habe diese Verse schon zu seiner Zeit vor Augen gehabt. Sein Auferstehungsbild hebt sich von den üblichen Darstellungen ab. Zwei lichterfüllte Etagen fallen dem Betrachter ins Auge, während alles, was "draußen" ist, in Dunkel gehüllt bleibt. Die untere Etage erinnert an die Geburtsgrotte von Bethlehem. Doch nicht Maria und Josef knien neben einer Krippe sondern ein schlafender Soldat hockt teilnahmslos am Rande des Grabes. Blind für den Engel, bemerkt er nicht, was sich da Wunderbares vollzieht. Das wahre Licht des Glaubens kommt von oben. Einer der wachhabenden Schläfer wird von diesem Licht aus der Höhe geblendet. Er sieht etwas, was die anderen nicht sehen können. Aber diese Wirklichkeit gehört nicht mehr der irdischen Welt an, hat also eine "Etage höher" ihren Sitz. Auch der Auferstandene gehört nicht mehr dieser irdischen Welt an, sein neuer "Ort" ist der Himmel. Von dort aus bleibt ER uns nahe und lässt uns das leuchtende Ende des Tunnels schauen, das Ziel unseres Lebens. Deshalb sagt Jesus: "Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten…, damit auch ihr dort seid, wo ich bin." (Joh.14,2f).
Genau das meint die Christliche Hoffnung: Was bereits geschehen ist, das dürfen wir in der Zukunft erwarten.. Deshalb schreibt Paulus: "Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt." (Kol.3,1). Mit dem Blick von der unteren zur oberen "Etage" verstehen wir jetzt den Sinn der Verse:
Wo die Menschenkunst am Ende,
kommt gewiss die große Wende,
reißt die Hoffnung dich empor:
sie wird dich nach oben heben,
wie auf Flügeln wirst du schweben
durch des Lebens weites Tor.
Dort wirst du IHN endlich sehen
und vor IHM mit Freuden stehen,
der dir Hoffnung gab und Mut.
Endlich wirst du dann begreifen:
alle Dinge müssen reifen,
und zum Schluss wird alles gut.
Mögen Sie, liebe Gemeinde, das Osterfest als ein Fest frohmachender Hoffnung erfahren! Das Ende des Tunnels ist bereits sichtbar!
Ihr Pfarrer
|