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Liebe Gemeinde!
Am ersten Sonntag im Mai wird in aller Welt der Muttertag gefeiert. Das Wort "Mutter" gehört zu den Ur- Worten der Menschheit, die keiner Erklärung bedürfen. In Todesanzeigen liest man oft "Die Mutter war's, was braucht's der Worte mehr?" Mutter ist eben Mutter.
Die Gedanken, Vorstellungen und Bilder, die das Wort "Mutter" auslöst, haben allesamt mit Liebe, Geduld, Zärtlichkeit, Sorge und Hingabe zu tun. Unsere moderne Gesellschaft leidet allerdings unter einem merkwürdigen Zwiespalt.
Einerseits sind heute viele Frauen von dem sogenannten "Gender-Mainstream" erfasst, der in der Folge der 68-er Revolution die Gleichheit der Geschlechter fordert, auf männliche Eigenschaften setzt und Kinder zu Störenfrieden der beruflichen Karriere erklärt; daher der Ruf nach staatlicher Erziehung der Kleinstkinder.
Anderseits wünscht sich - so das Ergebnis einer Umfrage - die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen die traditionelle Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind(ern). Da die Mitglieder der Kirche zugleich Kinder dieser Welt sind, machen sie da keine Ausnahme.
Die Kirche hat ihre mütterlich-fraulichen Züge verloren. Wer heute noch von "Mutter Kirche" spricht, tut das meist mit einem ironischen Unterton oder mit salbungsvoller Pastorenstimme. Es passt einfach nicht in unsere Zeit, eine "Institution", die sich in endlosen Strukturdebatten, Organisationen, Funktionen, Synoden, Kommissionen und Unterkommissionen verliert, eine "Mutter" zu nennen. –
Da richtet sich in diesem Monat Mai unser Blick auf Maria, der schon in frühchristlicher Zeit die Kirchenversammlung von Ephesus (431) den Titel "Gottesgebärerin" gab. Marias eigentliche und einzige Berufung war es, Mutter zu sein, - nicht mehr und nicht weniger. Was das das im Tiefsten bedeutet? Nun, überlegen Sie: in vielen Sprachen ist das Wort "Mutter" gleichlautend mit dem Wort "Meer"!
Ihr Pfarrer
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