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Gemeindebrief 4/10 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Montag, 10. Mai 2010

 

Liebe Gemeinde!

Lassen Sie mich heute das Thema "Missbrauch" mal von einer anderen Seite beleuchten.
In der Geschichte der Kirche hat es zu allen Zeiten schwere Krisen gegeben, weil ihre Glieder sich versündigt haben. Schon Augustinus hat seine Gemeinde immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass jetzt noch die Zeit ist, "wo Spreu und Weizen nebeneinander liegen", - man sogar den Eindruck hat, als gebe es nichts als Spreu.

Der Kirche deshalb den Rücken zuzukehren, ist der größte Fehler. Der Satz, den manche pauschal auf die Priester anwenden, "ich traue allen das Schlimmste zu" hat nur seine Richtigkeit, wenn man sich selber einschließt.
Die hl. Caterina von Siena (14. Jh.) litt unsäglich unter den Sünden der Kirche. Doch sie konnte unterscheiden. Für sie war klar: die Kirche ist und bleibt der Ort, an dem Christus seine Gegenwart garantiert und sein Heil wirkt, auch wenn die Priester schrecklich versagen. Sie drückt das so aus: Würde man das kostbare Geschenk eines Königs nicht annehmen, nur weil ein zerlumpter Bote es überbringt?

Natürlich doch! Menschen sind immer wichtig für die Glaubwürdigkeit der Lehre, doch sie sind nicht der Grund unseres Glaubens. Dieser Grund ist unverrückbar in Christus gelegt. Doch Menschen, die den Auftrag haben, den Glauben überzeugend zu verkünden, versündigen sich, wenn sie Ärgernis statt Beispiel geben. Das beginnt bei den Eltern und endet bei den Verantwortlichen, die über viele gesetzt sind.
Vorsicht ist geboten: gerechter Zorn kann leicht zum selbstgerechten Zorn werden. Es gibt auch eine versteckte Faszination durch negative Nachrichten. Ich persönlich habe in meinem Leben viele gütige, beispielhafte und verlässliche Priester kennen gelernt.
Caterina von Siena betont, dass Empörung ohne "heiliges Mitleid" nicht die Gesinnung Christi ist, der immer noch die Füße von uns Sündern wäscht. Wir sind hier auf Erden eine Kirche von Sündern und Heiligen; ja, jeder von uns ist sündig und heilig zugleich. Deshalb sollen wir im Gebet für die Sündigen eintreten, auch unsere eigenen Sünden immer wieder bekennen – und uns im übrigen über die große Schar der Heiligen freuen, die zu unserer grossen Familie gehört.
                                                            Ihr Pfarrer

                                                        


 

 

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