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Liebe Gemeinde!
"Ferien vom Ich" heißt ein berühmter und einige Male verfilmter Roman von Paul Keller. Darin schildert der Autor einen kauzigen amerikanischen Millionär, der in Deutschland mit Hilfe eines Arztes eine Ferienfarm aufbaut, in der jeder Erholungssuchende bei seinem Eintritt seinen Namen und seinen Titel ablegt und einen neuen Vornamen verpasst bekommt. Jeder ist mit dem anderen per Du, weiß aber nicht, wer der andere ist.
In dieser familiären, zugleich anonymen Gesellschaft gibt es keine steifen Etiketten; jeder kann sich geben, wie er ist. Gestresste Notare, hysterische Theaterdiven und geplagte Ehemänner kommen, um einige Wochen sorgenfrei und naturnah zu leben. Man züchtet Blumen, bindet Garben auf dem Feld, treibt die Kühe auf die Weide und sitzt abends, nach getaner Arbeit, zufrieden singend gemeinsam unter Apfelbäumen…
So etwa stellen sich viele ein Ferienparadies vor: endlich einmal Mensch sein – ohne falsche Rücksichten, ohne Terminkalender und Telefon mal richtig ein- und untertauchen in eine natürliche Welt. -
Nun wissen wir, dass das ein schöner Traum ist; schon das Handy erweist sich dabei als Handicap, nicht zu reden von den All-Inclusive-Reisen, die in Fress- und Sauforgien enden. Kürzlich berichtete die "Fuldaer Zeitung" von einem Wettkampf, bei dem die Teilnehmer in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Schnitzel zu verschlingen hatten – bis zum Erbrechen. Primitiver geht es nicht.
Da lob ich mir den Pfarrer, der sagt: "Ihr dürft saufen wie die Ochsen! Doch denkt daran, selbst der Ochse kennt sein Maß." Diese Maß hat uns unser Schöpfer gegeben, der im Urlaub selbstverständlich immer dabei ist. Ohne IHN ist unser Leben kein Leben.
Wenn Jesus die Einladung ausspricht "kommt und ruht ein wenig aus" (Mk.6,31), dann lädt ER uns ein, Ferien vom falschen Ich zu machen, von unserem EGO. Unser wahres Ich ist dagegen Gott selbst. Also Ferien vom EGO zum ICH – das ist die Devise! Ich wünsche Ihnen eine erholsame Urlaubszeit!
Ihr Pfarrer
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