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Gemeindebrief 6/10 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Samstag, 26. Juni 2010

 

Liebe Gemeinde!

In diesen Tagen herrscht Endzeitstimmung in den Schulen. Die Abiturienten haben bereits ihre Zeugnisse erhalten. Zwei unserer Ministranten gehören zu den glücklichen Etappensiegern (herzlichen Glückwunsch!). In den Schulklassen laufen die Projektwochen an, die einen lockeren Übergang in die Ferien darstellen. Einzelne Schüler bangen noch um ihre Zeugnisnoten, - ansonsten herrscht Vorfreude auf die Sommerferien. –

Endzeitstimmung – allerdings in einem negativen Sinn – finde ich auch bei einigen katholischen Christen, die die Kirche auf dem Sinkflug – nicht nur hinsichtlich der schwindenden Gunst in der Bevölkerung sondern auch im Blick auf die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Kirche sehen. Wenn ein Mitglied unserer Gemeinde seinen Kirchenaustritt wegen des Zölibats und wegen des Kindesmissbrauchs erklärt, so weiß ich, dass dieser Mann, der nie selbst betroffen war, nur einen Vorwand suchte, um seiner langjährigen Kirchendistanziertheit das Siegel der Endgültigkeit aufzudrücken.
Sicherlich ist jeder Kirchenaustritt ein Verlust, jedoch nicht so sehr für die Kirche sondern an erster Stelle für den Ausgetretenen selbst. Es geht ja um sein Heil, nicht um unsere Statistik.

Vor vierzig (!) Jahren schrieb ein Theologieprofessor aus Regensburg: "…Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird viele der Bauten nicht mehr füllen können, die in der Hochkonjunktur geschaffen wurden. Sie wird mit der Zahl der Anhänger viele ihrer Privilegien in der Gesellschaft verlieren…
...So scheint mir gewiss zu sein, dass für die Kirche sehr schwere Zeiten bevorstehen. Ihre eigentliche Krise hat noch kaum begonnen. Man muss mit erheblichen Erschütterungen rechnen. Aber ich bin auch ganz sicher darüber, was am Ende bleiben wird: Nicht die Kirche des politischen Kultes, die schon in der Zeit der Aufklärung gescheitert ist, sondern die Kirche des Glaubens. Sie wird wohl nie mehr in dem Maß die gesellschaftsbeherrschende Kraft sein, wie sie es bis vor kurzem war. Aber sie wird von neuem blühen und den Menschen als Heimat sichtbar werden, die ihnen Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus."
Der Professor, der dieses schrieb, war Josef Ratzinger; heute heißt er Benedikt XVI. Ich bin sicher, dass unser Papst heute noch von demselben "realistischen Optimismus" beseelt ist.

Endzeitstimmung muss in Aufbruchstimmung umschlagen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der bevorstehenden Urlaubszeit neue Kräfte für diesen Aufbruch tanken.

Ihr Pfarrer

 

 

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