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Liebe Gemeinde!
"Pastoraler Prozess" – mit diesem magischen Wort wird ein Dilemma beschrieben, das durch den Rückgang der geistlichen Berufe und das Fehlen von Priestern in den Gemeinden unseres Bistums entstanden ist.
"Prozess" leitet sich von dem lateinischen "procedere" ab und sollte eigentlich Voranschreiten, also "Fortschritt" bedeuten. Es gibt sogar Christenmenschen, die das Zusammenlegen von Gemeinden, die Ausdünnung der Gottesdienste und das Ersetzen der sonntäglichen Eucharistiefeier durch einen Wortgottesdienst als große Errungenschaft feiern.
Die Wirklichkeit ist eine andere: nicht Priestermangel sondern Gläubigenmangel ist das Problem. Genauer gesagt: die christlichen Familien, die immer der Nährboden für geistliche Berufe waren, sterben aus. Propagiert werden dagegen alle möglichen Varianten von Lebensgemeinschaften, die keine Kinder hervorbringen bzw. Kindern keine hilfreiche Lebensgrundlage bieten können.
In der Schweiz wurde kürzlich bei jungen Leuten zwischen 18 und 25 Jahren eine Umfrage gemacht. Ergebnis: 88 % der Befragten möchten keine Familie gründen, allerdings auch nicht auf Partnerschaften verzichten. Kinder seien erst erwünscht, wenn sie – die Befragten – 50 Jahre(!!) alt seien. Kommentar überflüssig.
Übersehen diese jungen Leute, dass sie nur deshalb auf der Welt sind, weil sich ihre Eltern einst für Kinder entschieden haben? Ist der Sinn des Lebens wirklich nur Spaß und Vergnügen?
Es ist bezeichnend, wie eine Kommentatorin der Fuldaer Zeitung recht ignorant den Weltjugendtag in Sydney kritisierte: der Papst habe bedauerlicherweise nichts über Aids und Kondome gesagt. Ist das das Thema der Jugendlichen, die sich noch Idealismus und Begeisterung für den christlichen Glauben bewahrt haben? -
In Rumänien erlebte ich den Pastoralen Prozess genau in umgekehrter Richtung als bei uns: dort steigt der Priesternachwuchs, neue Pfarreien werden eingerichtet und Kirchen gebaut. Frage: Warum steht in der Fulda-Galerie, dem Neubaugebiet unserer Gemeinde, noch keine Kirche? Antwort: weil die St. Andreaskirche noch immer zu groß ist für die Zahl der sonntäglichen Kirchenbesucher. -- Ich wünschte es wäre anders.
Ihr Pfarrer
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