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Gemeindebrief 8/08 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Mittwoch, 27. August 2008

 

Liebe Gemeinde!

In Fulda scheint die große Stille ausgebrochen zu sein.
Vielleicht erinnern Sie sich, dass vor drei Jahren "Die große Stille" ein Renner in den Kinos war, - eine beeindruckende filmische Dokumentation des Lebens der Karthäuser. Dieser Film hatte eine erstaunliche suggestive Wirkung, denn die Stille des Klosterlebens übertrug sich auf die Kino- besucher und bewirkte bei vielen einen Kinoschlaf, der hin und wieder von unüberhörbarem Schnarchen begleitet war. –

Die "große Stille" in Fulda hat eine andere Ursache. An einem der letzten Samstage fand ich in der "Fuldaer Zeitung" insgesamt sechs Todesanzeigen mit dem Vermerk, dass der Verstorbene "in aller Stille" beigesetzt worden sei oder noch beigesetzt werde. Nicht nur in Fulda, sondern in unserem Land ist dieses Phänomen zu beobachten: große Stille breitet sich aus um den Vorgang des Todes.

Einerseits handelt es sich dabei um Verdrängung, anderseits nimmt die Privatisierung und Individualisierung der großen Feiern des Lebens immer mehr zu. Angefangen bei der Taufe, über Eheschliessungen bis hin zur Beerdigung, aber auch bei Ehejubiläen und Geburtstagen macht sich dieses Phänomen breit: man feiert in aller Stille. Einzige Ausnahmen sind Erstkommunion und Firmung; diese sind in der Regel mit dem Gottesdienst der Gemeinde verknüpft. -

Da lobe ich mir das Brautpaar, das kürzlich zu mir kam und erklärte: "Wir möchten unsere Hochzeit nicht nur im Familienkreis feiern, sondern mit der ganzen Gemeinde. Es handelt sich doch um ein öffentliches Ereignis, das die ganze Kirche betrifft und – angesichts der vielen unverbindlichen Part- nerschaften – ein wichtiges Zeugnis vor den Menschen ist. Also möchten wir im kommenden Jahr unsere Hochzeit im Rahmen der sonntäglichen Gemeindemesse feiern." -

Es gibt also noch Lichtblicke in dieser paradoxen Welt, die einerseits in die Vermassung, anderseits in die Privatisierung abdriftet. Also: nicht große Stille walten lassen, sondern Weitersagen! 

 Ihr Pfarrer

 

 

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