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Abt Richard PDF Drucken E-Mail

Im Jahre 1766 wurde das Grab des Gründerabtes Richard zum ersten Mal nach 700 Jahren geöffnet. Von diesem Vorgang ist eine Urkunde erhalten geblieben, deren Inhalt bemerkenswert ist.

 

Übersetzung

DER NACHWELT ZUR KENNTNIS:



Als im Jahre 1766 der Hochwürdigste Erlauchte und Gnädigste Herr, Herr Karl L.B. von Fechenbach, Dekan der Kathedralkirche in Fulda, Geheimer Rat, Stellvertreter und Regierungsvorsitzender des Hochwürdigsten und Erhabenen Bischofs S.R.I. Fürstabts von Fulda, Propst auf dem St. Andreasberge, es übernommen hatte, die dortigen Gebäude wiederherzustellen, wobei sie fast völlig neu gestaltet werden mußten, und als man zu den Stufen gekommen war, die im Presbyterium zum Hochaltar führen, entdeckte man unter eben diesen Stufen, als man die Steine entfernte, drei voneinander gesonderte Räume nebeneinander, von denen der mittlere, größer als die beiden anderen, ungefähr 12 Fuß lang, 7 Fuß tief und 5 Fuß breit war. Die beiden anstoßenden Seitenräume aber waren ebenso lang und tief wie der mittlere, aber nur etwa 3 Fuß breit.
Diese Räume waren durch Wände von einander getrennt, schön weiß getüncht und wiesen ringsum Verzierungen in roter Farbe auf. In ihrer Mitte sah man eine Öffnung oder ein rundes Fenster, das mit einem Eisengitter verschlossen war. Durch diese Öffnung konnte man von gerade gegenüber auf den Altar in der Krypta sehen, gerade wie wenn einst das Volk oder wenigstens die Frauen, denen vielleicht der Zutritt zur besagten Krypta verboten war, von diesen Kammern aus dem Gottesdienste hätten folgen müssen.
Als man aber in dem genannten mittleren größeren Raume die Erde tief aushob, zeigte sich eine sehr große Steinplatte, 7 Fuß lang, 3 Fuß und mehr breit, aber ohne jede Aufschrift und Bezeichnung. Als man sie entfernte, stieß man bald auf eine andere von derselben Größe und demselben Maß, die außerdem am Rande mit zwei Ringen oder Griffen versehen war, zwecks leichteren Hebens. Daraus schloß jeder, es müsse etwas Großes und Denkwürdiges darunter verborgen sein; was es aber sei, konnte niemand erraten.
Und sie! Als man mit großer Anstrengung diesen Stein hochhob, bot sich der Anblick einer beigesetzten Leiche, die eine Inschrift als die des Fürstabts Richard von Fulda, des ersten Gründers und Erbauers der Kirche Am St. Andreasberge glorreichen Angedenkens bezeichnete. Diese Inschrift war auf der Innenseite dieses Grabsteins, die der Leiche zugekehrt war, in roter Schrift, als hätte man sie eben erst aufgetragen, sehr zierlich und gut lesbar gemalt und hatte folgenden Wortlaut:

+ XIII. AUG. OB RIHHARDUS ABBAS

VIIII. KL. EJUSDEM MENSIS SEPULTUS E. +

Als man den Stein entfernte, erwies sich das Grab als völlig unversehrt. Bevor man zur Lade gelangte, gewahrte man ein darüber gelegtes Leder, das vom Alter schwarz geworden und die Spuren der zerstörenden Zeit deutlich an sich trug. Aber die einzelnen Stücke zerfielen sofort zu einem Haufen, so daß außer einigen Holzresten der Lade nichts außer modrigen Gewandfetzen zu sehen war.Von den verehrungswürdigen Gebeinen des Verstorbenen war nichts weiter zu finden als zwei ganz kleine Bruchstücke, die bei der ersten Berührung in Staub zerfielen.Die seidenen Gewänder hatten, wie man annehmen darf, ihre ursprüngliche schwarze Farbe verloren und sahen purpurfarben oder braun aus. Zuerst hatte man, wie man sah, den ganzen Körper mit einem gleichfalls seidenen Bande nach allen Richtungen hin geschmückt und sozusagen umgürtet. Dieses Band war von kunstvoller Webart, gewöhnlich "aquatica" genannt, und 2 Finger breit. Ein anderes Band aber, weniger als 1 Finger breit, von derselben kunstvollen Herstellungsart und Gestalt, hing vor der Brust herab.
Das ebenfalls aus Seide gefertigte Cingulum war größtenteils unzerstört geblieben. Es wird zugleich mit den oben erwähnten Bändern aufbewahrt und ist bei dem Hochw. Herrn Domdechant zu sehen.
Wahrhaft ein Schatz, würdig eines so großen Wiederherstellers und glücklichen Finders! Eine Schicksalsgunst, würdig eines so hochherzigen Erweiterers der Heiligtümer! Ihm war es vergönnt, das von allen bis jetzt auf vielfache Weise, aber vergeblich gesuchte Grab des hochverdienten Fürstabtes und ersten Gründers gerade jetzt zu finden, erfüllt von höchster Freude und Ehrfurcht, am 17. Juni, im oben angegebenen Jahre seit der Geburt des Herrn und im 727. seit dem Tode Richards.
Nachdem das alles so geschehen, setzte man unter den üblichen Gebeten für die Verstorbenen die Reliquien an ihrem früheren vorhin beschriebenen Orte wieder bei; und damit ihre Ruhestätte künftighin jedermann sichtbar bleibt, ist vor denselben Stufen des Hochaltars die im Inneren des Grabes gefundene Grabinschrift draussen in den Fußboden eingemeißelt zu lesen.
Gott, der so gern verzeiht und so liebevoll auf des Menschen Heil bedacht ist, gebe huldvollst dem frommen Stifter RICHARD die ewige Ruhe; seinem Nachahmer, dem Wiederhersteller KARL aber, dem Eiferer für Gottes Haus und Gottes Ehre, eine lange Reihe von Jahren und dauerndes Wohlergehen!

 

 

 

 

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