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Der Kaiser und der Abt


Preis: €20,00


Der Kaiser und der Abt. Das kleine Fuldaer Welttheater.

Festspiel zum 975jährigen Jubiläum von St. Andreas, Fulda-Neuenberg

Zum Stück:

"Der Kaiser und der Abt" führt uns in die Welt des Mittelalters und greift die ständig aktuelle Frage der stets erneuerungsbedürftigen Kirche auf. Weil die ewige Versuchung der Macht, der Verweltlichung und der materiellen Sicherheit auch an der Schwelle zum 3. Jahrtausend dieselbe geblieben ist wie im hohen Mittelalter, trägt das Festspiel den Untertitel "Das kleine Fuldaer Welttheater". Das eigentliche Drama der Welt- und Heilsgeschichte, auf einen so engen Raum wie Fulda verdichtet und in ein historisches Gewand gekleidet, ist und bleibt die Begegnung zwischen Gott und dem Menschen, zwischen dem Heiligen und dem Sünder.

Es war im Jahre 1020, als Kaiser Heinrich II. mit seiner Gemahlin Kunigunde und Papst Benedikt VIII. dem Kloster Fulda einen Besuch abstatteten. Bereits sieben Jahre zuvor hatte der Kaiser eigenmächtig den Fuldaer Abt Brantho abgesetzt, der sich mit der Reformidee (Cluny und Gorze) nicht anfreunden wollte. In folge des kaiserlichen Besuchs wurde die Gründung des St. Andreasklosters auf dem Neuen- berg beschlossen, das im Jahre 1023 durch den Mainzer Erzbischof Aribo konsekriert wurde und dessen erster Vorsteher (praepositus) der hl. Bardo war.

In diesem Stück sind allerdings die Charaktere stark überzeichnet. So entsteht die paradoxe Situation, daß die Rolle von Abt und Kaiser merkwürdig vertauscht sind: der Kaiser vertritt das geistliche Anliegen, während der Abt als skrupelloser Feudalherr nur seine weltlichen Ziele verfolgt. Damit sprengt das Spiel den historischen Rahmen und zeichnet ein Bild, das teils dem Mittelalter, teils der Neuzeit (Barock) zuzuordnen ist. Bewußt werden Anachronismen als Stilmittel verwendet, um die zeitlose Aussage des Schauspiels zu verdeutlichen. So darf z.B. als bekannt vorausgesetzt werden, daß zur Zeit der Klostergründung von St. Andreas weder das Jagd- schloß Biberstein noch das Kloster Johannisberg im Rheingau existierten.
Um die Sache auf die Spitze zu treiben, hat der Autor die Rolle des Gottschalk eingeführt. Auch dieser Mann hat seinen historischen Ort: Gottschalk war zur Zeit des Rabanuns Maurus der "Drewermann" des 9. Jahrhunderts, ein intelligenter, aufsässiger Mönch, der durch seine wirre Theologie viel Unruhe stiftete und eines unrühmlichen Todes gestorben ist (868). In diesem Spiel ist er eher der shakespearische Narr, der sich nicht scheut, die unverblümte Wahrheit zu sagen und zugleich seinen prophetischen Blick in die Zukunft zu lenken. Damit bekommt das Spiel noch einmal eine besondere Nuance: auf kontrapunktische Weise stellt es die mittelalter- liche Problematik mitten in unsere moderne Zeit hinein, also in die Welt des vereinten Europa, der neuen europäischen Währung und des Kirchen- volksbegehrens. Die buntschillernde Gestalt des Gottschalk wird somit zu einer "Klammer" zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die stille Hauptfigur des Stückes ist unzweifelhaft Magister Bardo, der das Musterbeispiel eines benediktinischen Mönches ist. Ganz der Fröm- migkeit seiner Zeit verhaftet, wurzelnd in der großen Vergangenheit des Klosters Fulda und unbestechlich für die Anziehungskraft von Glanz und Macht, ist er dennoch offen für das Neue, das "aggiornamento" (= "Verheutigung") klösterlichen Lebens, das Gott durch ihn bewirken will. Er ist bereit, die Herausforderung von "St. Andreas" anzunehmen. Somit ist er die heimliche Leitfigur des Spiels, die sich nicht mit Brachialgewalt in den Vordergrund schiebt. Bardo verkörpert eher eine geistliche Haltung, von der es im Epilog heißt: "Es ist die Macht der Stillen und der Leisen, die unaufhörlich in die Höhe klimmt".

Schließlich darf eine prosaisch gehaltene Bauern- szene auf dem Haimbacher Dorfplatz nicht fehlen. Hier kommt das einfache Volk mit seinen Sorgen und Nöten zur Sprache. Das erklärt den derben fuldischen Ton. Die Szene wird zu einem großen Teil im Dialekt dargeboten und verleiht dem Stück inhaltlich wie formal noch einmal den besonderen Sitz im Leben.

Die Szenen:

Prolog

1. Szene: im Kloster Fulda
Scholaprobe: Magister Bardo bereitet mit der Schola cantorum den Gottesdienst für das Pfingstfest vor und übt mit den Mönchen das "Factus est repente...". Der Besuch des Kaisers kündigt sich an.

2. Szene: auf dem Dorfplatz in Haimbach
Das Haimbacher Bauernvolk leidet unter den harten Abgaben und den Frondienstleistungen für das Kloster Fulda.
Entsetzen breitet sich aus, als das Bauernvolk erfährt, daß der Fuldaer Abt sich eine Abtsburg als Residenz (die Bauern: "Resisdäänz") bauen will und den Frondienst der Bauern verschärft.

3. Szene: im Kloster Fulda
Die Begegnung zwischen Abt Brantho und Magister Bardo machen den Kontrast zwischen benediktinischer Regeltreue und verweltlichter Entartung des klösterlichen Lebens offenbar. Bardo bleibt bei aller Klarheit der Rede bescheiden und überläßt dem Abt die nötigen Schlußfolgerungen.

4. Szene: im Kloster Fulda
Der Mönch Gottschalk hält in närrischer Freiheit dem Abt den Spiegel vor Augen und nennt den Mißbrauch des geistlichen Amtes und den anstoßerregenden Lebensstil des feudalen Gottesmannes deutlich beim Namen. Abt Brantho läßt sich nicht beeindruc ken.

5. Szene: im Kloster Fulda
Ankunft des Kaisers. Ernsthaftes Gespräch zwischen Kaiser und Abt, das am Ende durch die närrische Vison des Mönches Gottschalk ein eher lustiges Ende findet.

6. Szene: im Kloster Fulda
Die Situation wird für den feisten Abt Brantho immer peinlicher, nachdem sich vor den Augen des Kaisers zwei skandalöse Szenen (Baugulf und Kathrin) abspielen. Die Begegnung zwischen dem Kaiser und Magister Bardo gibt einen Ausblick auf ein hoffnungsvolle Zukunft des Klosters. Die Gründung des St. Andresklosters wird beschlossen. Ein unerwartetes Ereignis führt zu einem glücklichen Ende.

Epilog

Autor: Pfr. Winfried Abel

Regie: Winfried H. Witzel

Kamera & Schnitt: H. Felber & W. Wurtinger

Spieldauer: 95 Min.

Mitwirkende:

Peter Paulheim, Günter Elm, Peter Seipp, Pfr. Winfried Abel, Philipp Schleipen, Elisabeth Jahn, Norbert Steinweller, Paul Bohl, Wolfgang Leibold, Dijürke Siebrands, Ottmar Bohl, Christian Bayer, Walter Frisch, Florian Maier, Stefano Corino, Johannes Haubs, Johannes Näder, Niko Schmitt, Johannes Böschen, Christian Maier, Andreas Raschendorfer, Kathrin Herden, Martin Kolbe, Andreas Jahn, Anton Henning 

 




 







 

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