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Christen sind notorische Narren PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Mittwoch, 18. Februar 2009

 

Christen sind notorische Narren
Von Winfried Abel

"Feiern, Lachen, Fest der Narren" – unter diesem Titel sollte ich vor einigen Jahren in der Faschingszeit einen Schülergottesdienst halten. Mein erster Gedanke: darf man aus einem Gottesdienst eine Fastnachtsveranstaltung machen? Haben Schüler und Lehrer hier nicht eine Grenze überschritten?

Nun, sicherlich war hier einiges aus dem Lot geraten. Doch dann dämmerte mir die Einsicht: grundsätzlich haben sie Recht! Jesus, der Narr – diese Aspekt des Evangeliums wird leicht übersehen. Haben IHN nicht seine eigenen Verwandten zum Narren erklärt und alles drangesetzt, ihn wieder aus dem Verkehr zu ziehen? Ist er nicht in einem närrischen Aufzug, auf einem Esel reitend, in Jerusalem eingezogen? Haben ihn nicht die Hohenpriester in einen Spottmantel kleiden und dem Volk vorführen lassen? Der malende Priester Sieger Köder stellt Christus sogar im Narrenkostüm, ans Kreuz geheftet, dar.

Das alles hat natürlich einen ernsten Hintergrund, den der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther ausleuchtet: der Mensch ist durch die Sünde zum Narren geworden, Gott aber hat die Weisheit dieser Welt als Torheit entlarvt, indem er sich in den Augen der neunmal Klugen selbst zum Narren machte. Närrisch ist, wer das Unwirkliche zur Wirklichkeit erklärt. Tragen nicht alle Formen des modernen Lebensstils, Kapitalismus, Karrieresucht, Gesundheits- und Schönheitswahn, Geiz und Geldgier, närrische Züge?

Am Vorabend der Reformation (1494) schrieb Sebastian Brant sein berühmtes "Narrenschiff", in dem er alle Laster dieser Welt, Habsucht, Kleidermoden, Schwätzerei oder Ehebruch, insgesamt sind es hundert an der Zahl, personifiziert als Narren nach Narragonien segeln lässt. Am Ende hat nur die wahre Weisheit Bestand, die von den Narren als Torheit verlästert wird. Sollten nicht unsere modernen Wichtigtuer in Kirche, Politik und Gesellschaft öfters in diesen Narrenspiegel hineinschauen, um dort ihrer eigenen Torheit zu begegnen?

Wenn an Rosenmontag die Narren wieder durch die Straßen ziehen, kommt mir ein anderer "närrischer Zug" vor Augen: der Triumphzug Christi. Paulus schildert ihn im Bild einer siegreichen Militärparade mit vielen exotischen Gefangenen, wie er sie zu seiner Zeit erlebt haben mochte. Christus zieht triumphal in das Himmlische Jerusalem ein. Das bunt schillernde Volk, das er mitführt, ist die erlöste Menschheit. Abenteuerliche, ja lächerliche Gestalten tummeln sich da. Und "Gott sei Dank werden auch wir im Triumphzug Christi mitgeführt" (2Kor.2,14). Um dieses himmlischen Rosenmontagzuges wegen nehme ich es gerne in Kauf, in den Augen der Welt als ein Narr dazustehen.

 

 

 

 

 

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