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Das weiße Kleid verpflichtet zum mutigen Bekenntnis
Von Winfried Abel
Der Weiße Sonntag ist bei Katholiken traditionsgemäß der Tag der Ersten Heiligen Kommunion. Seinen Namen hat dieser Tag allerdings nicht von den weißen Kleidern der Kommunionkinder sondern von den Taufriten der frühen Christenheit.
In den ersten Jahrhunderten, wenn am Osterfest vornehmlich Erwachsene getauft wurden, überreichte man diesen als Zeichen ihres neuen Lebens die weiße Tunika ("Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt" - Gal.3:27), die sie bis zum Sonntag nach Ostern trugen. Das weiße Kleid wurde somit ein Zeichen, mit dem sein Träger öffentlich bekannte: "Ich habe mich auf die Seite Christi gestellt, ER allein soll in Zukunft mein Leben bestimmen." Solche Schritte entschieden nicht selten über Leben und Tod.
Wer Christ war, lebte gefährlich. Heute ist das nicht anders. Zurzeit werden in etwa 50 Ländern 100 Millionen Christen verfolgt. In Ägypten z.B. leben 7 Millionen koptische Christen als eine bedrohte und immer wieder der Gewalt ausgelieferte Minderheit. Die Bombenanschläge auf christliche Kirchen im nahen und fernen Osten und die Mordanschläge auf bekennende Christen in Pakistan, Indien oder Nigeria sind traurige Belege dafür. Weltweit wird jeder zehnte Christ wegen seines Glaubens benachteiligt oder verfolgt.
Auch in unserem Land sind gläubige Christen eine belächelte Minderheit geworden. Auf Artenschutz dürfen sie im Gegensatz zu den über Verkehrsstraßen wandernden Amphibien kaum hoffen. Viele Bräuche und Begriffe, die sich aus der christlichen Kultur herleiten, sind zu hohlen Phrasen verkommen. Man denke an die Entartung von Weihnachten zum Konsumfest, von Christi Himmelfahrt zum Vatertag, vom Reformations- oder Allerheiligenfest zum heidnischen Halloween. Auch das anspruchsvolle C der Unionsparteien erweist sich mehr und mehr als ein verlogenes Etikett: sowohl das christliche Familienbild wie der Schutz des menschlichen Lebens sind längst auf dem Altar einer fragwürdigen Moderne geopfert worden.
Wer sich in der Öffentlichkeit für unveränderliche Werte, die sich von der ebenso unveränderlichen Natur des Menschen ableiten, einsetzt, gilt als hoffnungslos rückständig und ewig gestrig.
Früher nannte man die mutigen Bekenner, die bereit waren, für ihren Glauben zu leiden oder zu sterben, Märtyrer. Das griechische Wort "martyria" stand für "mutiges Zeugnis". Paradoxerweise erhalten die weißen Kleider ihre strahlende Reinheit durch das vergossene Blut. So heißt es von den vollendeten Gerechten, die sich zu Christus bekannt haben: "…sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht." (Off.7,14). Ob das die Eltern der Kinder, die am kommenden Sonntag ihre Erstkommunion feiern, noch wissen? Gerade sie sollten für ihre Kinder die ersten und wichtigsten Glaubenszeugen sein.
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