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Die Macht eines wehrlosen Kindes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Samstag, 25. Dezember 2010

 

 

Die Macht eines wehrlosen Kindes
Von Winfried Abel

"Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein…" Dieses Lied erklang zum ersten Mal in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dieser grausame Krieg, der die Religion zum Mittel der Politik machte, hat tausende von Menschen sinnlos hingemordet, ganze Landschaften verwüstet und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Wilde Anarchie beherrschte weite Teile Europas. Die gnadenlose Soldateska wollte kein Ende finden.
Damals schrieb Friedrich von Spee diese schönen Verse "…o Kindelein von Herzen, dich will ich lieben sehr, in Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr…"

Der brutalen Gewalt des Krieges stellt sich ein wehrloses Kind entgegen. Ist das nicht grotesk und lächerlich? Doch schon vor zweitausendsiebenhundert Jahren kündet ein Prophet von diesem Kind: "Auf seinem Schultern liegt die Weltherrschaft. Man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende." (Jes.9,5f).

Wie soll in eine Welt, die kaum noch beherrschbar ist, der Friede einkehren, - ausgerechnet durch ein neu geborenes Kind? Mir kommen dazu die zynischen Worte des Diktators Stalin in den Sinn: "Wie viele Divisionen hat der Papst?" – Als Jesus später vor Pilatus steht, ist der Vertreter der damaligen Weltmacht versucht, diesen "König der Juden" verächtlich zu machen. Doch die Hoheit und Würde, die der wehrlose Gefangene, der sich zu seinem Königtum bekennt, ausstrahlt, lässt den Landpfleger verstummen. "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" sagt der Angeklagte, "wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen…" (Joh.18,36).

Dass die Herrschaft des Kindes sich auch friedensstiftend auf die politische Welt übertragen kann, hat ausgerechnet ein Nachfolger Stalins, Michail Gorbatschow bestätigt: ohne die Rolle des Papstes wäre 1989 die friedliche Revolution, die wir heute als Wunder bestaunen, nicht möglich gewesen.
Doch davon abgesehen: dieses Kind von Bethlehem bringt einen Frieden von ganz anderer Art, - eben nicht zuerst den Frieden der schweigenden Waffen, sondern den Frieden des mit Gott versöhnten Herzens. Der menschengemachte Friede kann nur in einem ausgeklügelten Gleichgewicht des Schreckens und der Angst bestehen. Der göttliche Friede hat sogar die Macht, Wölfe zu Lämmern zu machen. Deshalb sendet Jesus seine Jünger wehrlos und mittellos "wie Schafe mitten unter die Wölfe" (Mt.10,16). Mögen sie auch von den Wölfen zerrissen werden, - am Ende wird Sein Friede triumphieren. Wahrhaftig dieses Kind ist anbetungswürdig.
Der evangelische Mystiker Gerhard Tersteegen fasst sein Staunen darüber in die Worte:

"Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget;
sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget!
Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd:
Alles anbetet und schweiget."

 

 

 

 

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