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Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Montag, 14. Februar 2011

 

 

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein
Von Winfried Abel

Kennen Sie den Blick, den jemand forschend durch die Runde gehen lässt, bevor er vor anderen etwas sagt: Was werden die wohl denken? Auf welcher Seite stehen die? Welche Antwort erwartet "man" von mir?
Stellen Sie sich vor, Jesus habe vor seiner Bergpredigt zunächst einmal die Stimmung des Volkes ausgeforscht, um dann seine Worte danach zu richten. Dann wäre er vielleicht der Meister der politischen Korrektheit, nicht aber der Zeuge der Wahrheit. "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, - alles andere stammt vom Bösen!" (Mt.5,37). Das sind klare Worte, die in der Mitte der Bergpredigt stehen. Unsichtbar stehen sie im Zeichen des Kreuzes, - nicht weil Jesu kompromisslose Worte Widerspruch und Ablehnung provozieren; sondern weil Ja oder Nein im Schnittpunkt von vertikal und horizontal stehen, - also ein Kreuz bilden.
Die Vertikale geht von oben nach unten und von unten nach oben. Das heißt: das Wort ist in der ewigen Wahrheit begründet und steigt aus der Tiefe eines wahrhaftigen Herzens auf. Ebenso hat das Wort eine zeitlich-horizontale Dimension, weil es verlässlich ist – heute, morgen und übermorgen.

Ich fragte einmal einen Mitbruder: "Wie hältst du's mit dem Zölibat?" Seine Antwort war klar und kantig: "Ich halte es mit der germanischen Treue; wenn ich einmal Ja gesagt habe, dann bleibe ich dabei." Dieser Priester hat sein Ja als ein Ja verstanden nicht nur für den Moment, in dem er es aussprach, sondern endgültig für alle Zeiten. Wie oft habe ich in meinem priesterlichen Dienst das Jawort von Brautleuten vor dem Altar entgegengenommen. Wie oft verlor dieses Jawort schon bald seine Gültigkeit. Die gängige Erklärung für die erkaltete Liebe lautet: "wir empfinden nichts mehr füreinander." Doch wahre Liebe hat ihren Sitz nicht in den Empfindungen (Gefühle sind launisch und trügerisch), sondern im Willen, der ein für allemal Ja sagt. Gelebte Liebe ist Treue und Hingabe, nicht Emotionalität, das Stehen zu seinem Wort "in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit…"

Für Gott gibt es nur das Ja. ER hat am Anfang diese Welt und die Menschen ins Dasein gerufen. Dieses Ja kommt aus der Tiefe der Wahrheit Gottes (vertikal) und wird durch die Geschichte der Menschheit in Treue durchgehalten (horizontal). Es trägt die Form des Kreuzes. Dieses Ja ist in Christus Mensch geworden, "in IHM ist das Ja verwirklicht" (2Kor.1,19). Wenn aber Gott einmal "Nein" sagt, dann ist dies immer im Sinne des grundsätzlichen Ja zum Menschen zu verstehen. –

Wer sich der Wahrheit verschreibt, wird niemals politisch korrekt handeln, sein Leben steht unter dem Zeichen des Kreuzes. Aber wehe, wenn die Kirche als Anwältin der Wahrheit dem Kreuz entfliehen möchte und ihren Kurs von der Gunst der Mehrheiten oder den zeitgeistigen Strömungen abhängig macht!

 

 

 

 

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