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Mutterschaft – ein Auslaufmodell?
Von Winfried Abel
"Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los" ruft Goethes verzweifelter Zauberlehrling. So mag auch vor 90 Jahren Anna Marie Jarvis ausgerufen haben, die in den USA den Muttertag begründete. Von ihr wird berichtet, dass sie sich über dessen Kommerzialisierung so sehr ärgerte, dass sie gerichtlich den Muttertag verbieten lassen wollte. Doch dieser war inzwischen zu einem Selbstläufer geworden.
1923 musste Anna Marie Jarvis sogar wegen Störung einer Muttertagsfeier kurzzeitig ins Gefängnis. Zusammen mit ihrer Schwester Ellsinore wandte sie im Kampf gegen den von ihr ins Leben gerufenen Feiertag ihre gesamte Familienerbschaft auf. Beide starben in Armut. 1948, kurz vor ihrem Tod, erzählte sie einem Reporter, sie bedauere, den Tag ins Leben gerufen zu haben.
Nun, unsere angeschlagene Volkswirtschaft braucht jede Form konsumfördernder Impulse. Da kommt der Muttertag gerade recht. Obwohl man sich eher über eine Abwrackprämie für das auslaufende Mutter-Modell Gedanken machen sollte. Doch hier hört der Spaß auf. Denn unsere Politiker zerbrechen sich unaufhörlich den Kopf, wie man Mutterschaft und Karriere in einen Topf bringen könnte.
Nach Ansicht der extremen Feministinnen ist die Frau ohnehin eine "Fehlkonstruktion der Natur" (Jutta Ditfurth), weil sie das lustvolle Sexualleben mit dem Kindergebären bezahlen muss.
Mutterschaft wird heute belächelt, sogar beschimpft. Wer sie etwa als einen Beruf im Sinne einer Berufung bezeichnen wollte, wird sofort mit den mutterkreuzverleihenden Nazis verglichen. Dabei sollte man doch meinen, dass eine Gesellschaft, die immer mehr in den materialistischen Lebensstil abgleitet, auch eine mutterschaftsfreundliche Gesellschaft sein müsse. Denn "Materie" und "Materialismus" leiten sich von "mater" (Mutter) ab.
Die materielle Welt bildet also den "Mutterstoff" für alles Leben. Auf die Spezies Mensch angewandt bedeutet das: "Mutterschaft" geht jedem menschlichen Leben voraus. Der Mutterschoß ist der Ursprungsort aller Menschen jeglichen Geschlechtes, auch wenn sie sich nachgeburtlich noch so sehr als Machos gebärden.
Wir brauchen nicht einmal das Christentum zu bemühen, um festzustellen, dass "Mütterlichkeit" die Liebesform von "Frau" ist. Und wenn wir dann noch die christliche Botschaft hinzuziehen, dann dürfen wir auf die Frau verweisen, deren einzige Berufung es war, Mutter zu sein: Maria. Ihre selig gepriesene "Frucht des Leibes" hat die Welt rundum mit göttlicher Liebe erfüllt.
Wer also den Muttertag – ohne jegliches kommerzielles Brimborium – richtig feiern will, der ist eingeladen, im aufblühenden Monat Mai eine Maiandacht zu besuchen.
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