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Weltmission und die geistliche Finanzkrise
Von Winfried Abel
Ein altes Sprichwort sagt: "Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über". Diese uralte Menschheitserfahrung ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass es eine christliche Mission gibt. "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" bekennen Petrus und Johannes freimütig vor dem Tempeltribunal.
Die erste Generation der Christen war noch voll des Feuers und des Heiligen Geistes; - unglaublich, wenn man bedenkt, wie ängstlich sich die kleine Schar der Jünger noch wenige Tage vor dem Pfingstfest hinter Tor und Riegel verkrochen hatte. Inzwischen sind viele Jahrhunderte ins Land gegangen. Die Glaubensverkündigung hat alle Länder der Welt erreicht. Zu allen Zeiten war die Kirche durch einen starken missionarischen Elan geprägt. Gerade dort, wo ihr die materiellen Mittel fehlten, war ihre geistliche Potenz besonders stark.
Wenn wir hier in Deutschland sehen, wie leer unsere Missionshäuser geworden sind, wie wenige geistliche Impulse noch von der heimatlichen Kirche in die Welt hinausgehen, dann muss uns das erschrecken. Vielfach wird der Glaube nur noch verwaltet, aber nicht gelebt oder gar mit brennendem Herzen bezeugt. Gesetzt den Fall, Christus würde zum kommenden Pfingstfest der Weltkirche den Geist nicht geben sondern entziehen, dann würden sich vielleicht seltsame Dinge ereignen: während in Afrika das kirchliche Leben gänzlich zusammenbräche, ginge in Deutschland alles lustig weiter. Niemand würde den Verlust des Heiligen Geistes bemerken, weil wir organisatorisch bestens gegen diesen GAU abgesichert wären. Die Kirche unseres Landes ist ein gut funktionierender Apparat geworden. Doch ist sie noch missionarisch?
Die katholische Kirche begeht am letzten Sonntag im Oktober den Weltmissonssonntag. Da wird wieder viel von der Verkündigung des Glaubens in fernen Ländern die Rede sein. Was wir allerdings für die so genannten "Missonsländer" leisten können, ist nicht mehr der Transfer des Glaubens, sondern der Transfer der materiellen Mittel. Darin sind wir Weltmeister geworden. Das ist zwar keine schlechte Sache, aber viel zu wenig für das einst christliche Abendland.
Gestehen wir es doch offen ein: in Nigeria wird heute froher und lebendiger geglaubt als in Fulda. Also, was soll ein Missionssonntag? Wir sind zuerst aufgerufen, ernste Glaubensbilanz bei uns zu ziehen. Haben wir nicht – analog zur weltweiten Finanzkrise – unser Glaubenkonto permanent überzogen und den kirchlichen Werken den Geist entzogen? Dann sollten wir uns wieder bescheiden und sehnsüchtig an Gott wenden und IHN bitten, dass ER unsere Herzen mit seinem Heiligen Geist fülle, damit unser Mund wieder überfließen kann.
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