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Wer liebt, ist immer verrückt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pfr. Winfried Abel   
Donnerstag, 25. Juni 2009

Wer liebt, ist immer verrückt
Von Winfried Abel

Das Paulusjahr endet, das Priesterjahr beginnt. Es ist durchaus sinnvoll, jedes Jahr den Richtstrahler der Aufmerksamkeit auf eine andere Requisite des großen kirchlichen Raumes zu lenken.
In diesem Jahr gedenken wir des 150. Todestages von Jean Marie Vianney, des berühmten Pfarrers von Ars. Paulus und Vianney hatten eines gemeinsam: sie waren verrückte Menschen. Als Paulus vor dem römischen Gouverneur Festus freimütig den Glauben bekannte, rief dieser aus: "Paulus, du bist von Sinnen!" Den Pfarrer von Ars nannten manche Zeitgenossen einen Idioten.

Was war das Problem der beiden? Ganz einfach: sie waren in Christus verliebt! Was machen verliebte Menschen? Nun, die verrücktesten Dinge! In Frankreich nennt man einen Idioten "Crétin". Dieses Wort leitet sich bezeichnenderweise von "Chrétien" ab, was nichts anderes bedeutet als "Christ". Mit diesem Wort bedachten die Aufklärer geringschätzig die gläubigen Kirchgänger. In der Psychiatrie ist der "Kretin" ein einfältiger Blöder, ein gutmütiger Trottel.

Wenn der heilige Paulus in seinem berühmten Hohenlied (1Kor.13) schwärmt: "Die Liebe glaubt alles", dann ist dem oberflächlichen Hörer alles klar: Wer alles glaubt, der muss doch ein Trottel sein. Doch in einem stimmen Paulus und Vianney wiederum überein: beide machen Gebrauch von ihrem Verstand. Sie prüfen alles genau und glauben nicht jedem, sondern nur dem Einen, eben ihrem geliebten Herrn. Wer auf diese Weise konsequent durch-glaubt und durch-liebt, bringt Unglaubliches zustande!

Der Generalvikar von Lyon hatte den etwas einfältig wirkenden Pfarrer Vianney mit Bedacht auf das kleinste und verkommenste Dorf seines Bistums versetzt. Das Resultat: zehn Jahre später konnte das Dorf die Leute nicht mehr fassen, die aus ganz Frankreich dorthin strömten, um den Pfarrer zu hören und bei ihm zu beichten. Das kleine Dorf Ars wurde zum Beichtstuhl der Nation. So wurde die Aufklärung des 19. Jahrhunderts von einem idiotischen Dorfpfarrer lächerlich gemacht.

Was war das pastorale Konzept dieses Mannes? Eine Sinus-Milieustudie? Eine kirchliche Unternehmensberatung? Das alles gab es damals noch nicht. Doch der Pfarrer machte seine Milieustudien in den Herzen der Menschen. Sein Unternehmensberater war der Heilige Geist. –
Und der letzte und wirksamste Schlüssel seines Wirkens war das Gebet, die persönliche Kapitulation vor Gott, in der der Mensch sich Gott vorbehaltlos ausliefert. Paulus und Vianney – wahrhaftig zwei Geschwister im Glauben.

Zum Schluss sei noch vermerkt: Der "Weltpfarrer" Pius X. hatte das Bild des Dorfpfarrers Vianney immer auf seinem Schreibtisch stehen. Der idiotische Pfarrer war somit das Vorbild eines großen Papstes.

 

 

 

 

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