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Wer sich nie entscheidet, kommt auch nie ans Ziel
Von Winfried Abel
Sehr oft geschieht es, dass ich beim Lesen in der Heiligen Schrift Worte finde, die zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden sind. Jeder weiß, was es heißt: sein Talent vergraben, dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, oder Perlen vor die Säue werfen…
Im Lukasevangelium (Lk.9,62) spricht Jesus von einem, "der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut". In unseren Breiten legt kein Landwirt mehr die Hand an den Pflug; sondern auf das Lenkrad seines Traktors. Dennoch hat die Lebensweisheit ihre Gültigkeit behalten: der Rückwärtsgewandte wird sein Ziel nie erreichen.
Kürzlich sprach mich ein Mitglied der Piusbruderschaft an und erklärte mir seine Position mit der Frage: soll denn das, was vor 40 Jahren galt – er bezog sich vor allem auf den Ritus –, heute keine Gültigkeit mehr haben? Ich gab ihm zur Antwort: die Kirche ist ein lebendiger Organismus wie ein Baum, der jährlich neue Zweige treibt und beständig wächst. Ein erstarrter Organismus ist tot.
Rückwärtsgewandt sind aber auch solche Menschen, die sich mental immer wieder an den Scheideweg begeben, den sie einmal verlassen haben, als sie eine wichtige Lebensentscheidung getroffen haben. Berufs- und Partnerwahl sind solche Entscheidungen, die oft mit einem beherzten oder begeisterten Schritt eingeleitet, dann aber – bei den geringsten Schwierigkeiten – neu hinterfragt und angezweifelt werden.
Manchmal genügt es, dass allein der Spaßfaktor entschwindet, weil sich der Ernst einer großen Verantwortung einstellen möchte, - also eine Phase, in der sich charakterliche Reifung ereignen sollte. Davor schrecken viele zurück und anstatt, mit der Tugend der Tapferkeit ausgerüstet, die großartige Herausforderung anzunehmen, begeben sie sich wieder zurück an den Scheideweg, erklären ihre erste Entscheidung für ungültig und treffen eine neue Wahl. So geht es dann weiter ohne Ende…
Sehr oft erlebe ich, dass Menschen erst gar nicht zur Entscheidung antreten. Sie bleiben an der großen Wegkreuzung ihres Lebens stehen und behalten sich alle Optionen vor. Klar: wer einmal heiratet, hat sich unter tausend Frauen für eine einzige entschieden. Wer erst gar nicht heiratet, hat tausend Optionen offen.
Das Motto der Unentschiedenen ist ein umgewandeltes Schiller-Zitat: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Bessres findet". Das Problem dabei: wer sich nie entscheidet, wird nie zu einer reifen Persönlichkeit heranwachsen. Er bleibt ein verspieltes Kind – eben ein Playboy –, ein seelisch verkümmertes Wesen, das die große Herausforderung seines Lebens nie angenommen hat. Gott kann mit solchen schwankenden Gestalten wenig anfangen.
Darum sagt Jesus: "Keiner, der die Hand an den Pflug legt und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes."
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